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Schwester Liliane Juchli






1. Biografie


1.1. Lebensdaten

Schwester Liliane Juchli (*1933 in Nussbaumen/Obersiggenthal) ist Ordensschwester der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz und ausgebildete Krankenschwester.

Ihr Name ist lange Zeit zum Synonym geworden für das Pflegemodell der Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL) sowie für das von ihr begründete Pflege-Lehrbuch - das Standardwerk im Pflegeberuf.

Sie setzte sich für eine Systematisierung, Strukturierung, Vertiefung und Aktualisierung des vorhandenen Krankenpflegewissens ein. Ihr Hauptanliegen war eine ganzheitliche Sicht der menschlichen Personen; die Ganzheit und Einheit von Körper, Seele und Geist des Menschen. Pflege umfasst nach ihrem Leitbild die Sorge für den Patienten (die Pflegequalität) wie auch die Selbstsorge (die Lebensqualität der Pflegenden selbst).
  • Primar- und Sekundarschule in Nussbaumen/Baden (Schweiz)
  • 1953-56 Ausbildung an der Krankenpflegeschule Theodosianum, Zürich mit Diplomabschluss als Krankenschwester
  • 17. Mai 1956 Ordenseintritt (Profess 1959) im Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz, Institut Ingenbohl (Brunnen)
  • Berufliche Weiterbildung als Lehrerin für Krankenpflege an der Kaderschule des Schweizerischen Roten Kreuzes, Zürich, Diplomabschluss 1964
  • Erwachsenenbildung: Akademie für Erwachsenenbildung Luzern, Diplomabschluss 1978
  • Schülerin bei Karlfried Graf Dürckheim (1979-84, in Intervallen) in Todtmoos-Rütte (Schwarzwald, Deutschland), Zertifikat als Mitarbeiterin
  • Gestaltpädagogische Schulung bei Prof. A. Höfer, Graz, berufsbegleitend 1984-87 mit Zertifikat
  • Logotherapeutische Ausbildung nach Viktor Frankl, berufsbegleitend am Institut für Logotherapie Tübingen/D, 1990-94 mit Zertifikat



1.2. Derzeitige Tätigkeit

Bildungsarbeit mit Schwestern verschiedener Orden und Kongregationen in der dritten und vierten Lebensphase.
Lebenskurse zu Themen wie: Sinnfindung und Lebensgestaltung, Lebensprozesse und Lebensübergänge, Begleiten im Leiden und Sterben.
Lebensberatung und Begleitung (logotherapeutisch und/oder seelsorglich).



2. Pionierin für Pflegeberufe


2.1. Entwicklung des Pflegeberufes

Schwester Liliane prägte in den 60er- bis 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts mit ihrem Wirken als Pflege-Expertin im In- und Ausland ganz entscheidend die Auffassung von Pflege. Sie setzte sich ein für ein neues Pflegeverständnis und ein professionelles Selbstbewusstsein der Pflegenden. Die Entwicklung und Emanzipation der Pflegeberufe im deutschsprachigen Raum durch Schwester Liliane gründete auf entscheidenden ethisch-christlichen Werten. Ein besonderes Anliegen war/ ist ihr die Menschenwürde.
Die wichtigsten Grundlagen des von ihr entwickelten Pflegemodells kann anderweitig nachgelesen werden (siehe unter: 5.2. zusätzliche Informationen)



2.2. Werke/Bücher/Veröffentlichungen

Schwester Liliane schrieb das im deutschsprachigen Raum bedeutendste Standardwerk für den Pflegeberuf. Sie verfasste 8 weitere Bücher und war Mitautorin verschiedener Werke. Sie veröffentlichte eine Vielzahl von Beiträgen in Fachzeitschriften.

Auszeichnungen: Schwester Liliane's Wirken wurde vielfach gewürdigt:
  • 1997: Ehrendoktorat der theologischen Fakultät der Universität Freiburg (Schweiz)
  • 1998: Hommage im Pflegebereich von deutschen Berufsangehörigen und Verbandsvertretern
  • 1998: Ehrung mit dem goldenen Ehrenring des Österreichischen Krankenpflegeverbandes in Würdigung ihres gesamten Lebenswerkes
  • 1998: Würdigung als Ehrenmitglied des Schweizerischen Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK),
  • 2006: Preisverleihung "für ihre Verdienste um die Würde des Menschen" durch die Tertianum-Stiftung in Zürich



3. Bildungsarbeit im eigenen Orden (ab 1989)

Option für das Alter - Nachdenken über das Älterwerden im Orden und von Ordensgemeinschaften

In der Mutterprovinz Schweiz begann das gezielte Nachdenken über die Alterssituation im Jahr 1989 am Provinzkapitel. Mit Zahlen und Fakten konfrontiert wurde offensichtlich, dass das Wort "Bedürfnis der Zeit" auch in den eigenen Reihen wahrzunehmen ist. Nie vorher in der Ordensgeschichte war "die Sorge für unsere älter-werdenden und alt gewordenen Mitschwestern" ein derart offensichtliches Thema. Wobei zusätzlich zu bedenken ist, dass es wohl um die einzelnen Schwestern geht, aber dass diese Aufgabe auch gesehen werden muss als "Älterwerden in einer alternden Gemeinschaft".

Es stellten sich Fragen wie diese: Was heisst das für uns? Wie können/wollen wir damit umgehen. Eine grundlegende Beratung führte zum Entscheid sich der Option für das Alter als eine vorrangige und dringliche Aufgabe zu stellen. Schwester Liliane hat sich aktiv an der Arbeitsgruppe beteiligt deren Ziel die Erarbeitung von Leitlinien war (Grundsatzpapier).


Grundsatzpapier

Dieses lag Im November 1992 mit dem Titel "Lebensgestaltung und Sinnfindung im Alter" vor. Der 1. Teil enthält Leitlinien, in sieben Kapiteln gegliedert:

1. Wohnverhältnisse und Tagesablauf

2. Gesunde Lebensweise

3. Gemeinschaft

4. Arbeits- und Berufsleben

5. Altsein, Kranksein, Sterben

6. Rechte, Freiräume, Beziehungen nach aussen

7. Spiritualität


Im Verlauf der Gespräche wuchs die Erkenntnis dass diese Leitlinien und die daraus resultierenden Empfehlungen zwar notwendig sind, aber für ein gelingendes Ordensleben im Alter begleitet sein müssen durch unterstützende Bildungsangebote.

Die Sorge um die betagten Schwestern umfasst sowohl die Sorge um die Auseinandersetzung mit dem ganz persönlichen Älterwerden, wie auch das Leben im miteinander in einer alternden Gemeinschaft. Älter werden geht alle an. Jede Schwester muss ihre eigene Lebensphase bewusst bejahen und erleben. Viele von unsern Schwestern stehen in der Phase des Älterwerdens oder des Alt-Seins. Die aktive Auseinandersetzung der einzelnen Schwester mit dem Alter ist ein wesentlicher Beitrag zum Wohl und zur Gestaltung einer positiven Zukunft unserer Gemeinschaft. Es geht um eine gemeinsame Lebenskultur im Alter. Aus diesen Überlegungen und Einsichten wurde unser Bildungsauftrag deutlich:

 

  • für alle Schwestern, die sich aktiv mit ihrem Älterwerden bewusst auseinandersetzen wollen,
  • für alle Schwestern. die ihr Älter-werden und Altsein bewusst gestalten wollen,
  • und für alle Schwestern, die betagte Schwestern pflegen und begleiten.

Schwester Liliane hat an diesem Projekt aktiv mitgearbeitet und in der Folge die untenstehenden Bildungsmodelle entworfen. Mit der Unterstützung einer Kursbegleiterin führt sie diese seit 1994 regelmässig durch.



4. Bildungsangebote für Ordensleute


4.1. Die Kursmodelle

Unter dem Titel "Lebensgestaltung und Sinnfindung im Alter" stehen drei Kursmodelle zur Verfügung ". Nachdem die ersten Pilotkurse erfolgreich verlaufen sind, wurden die Angebote auch für andere Ordensgemeinschaften geöffnet, und zum Teil auch im Ausland durchgeführt.



Modell 1: Chancen ab 60
für Schwestern, die sich mit ihrem Alterwerden auseinandersetzen.

Der Kurs entspricht einer gezielten Persönlichkeitsbildung im Blick auf das Leben und Älterwerden als Ordensperson.
Dauer: 7 Seminareinheiten (Bausteine) und ein Nachfolgetag, total 21 Tage



Modell 2: Chancen ab 70
für Schwestern die ihr Älterwerden und Altsein reflektieren und neu beleben möchten.
Der Kurs kann als Exerzitien genutzt werden. Schwerpunkt ist die Erneuerung und Vertiefung der Ordensprofess im Blick auf die Berufung und die evangelischen Räte.
Dauer: 3 Bausteine, total 12 Tage.



Modell 3: Pflegen und Begleiten
Angebot für Schwestern, die betagte Schwestern begleiten und pflegen. Der Kurs entspricht einer Fachausbildung in gerontologischer Pflege. Der Schwerpunkt liegt in der Gewichtung des spirituellen Aspektes des Lebens als Ordensperson bis zuletzt.
Dauer: 7 Bausteine und ein Nachfolgetag, total 28Tage



4.2. Informationsveranstaltungen und Seminararbeiten im In- und Ausland

Nebst den drei Bildungsmodellen haben sich folgende Angebote entwickelt
  • Informations- und Einführungstage zum Thema "Alter und altern in religiösen Gemeinschaften".
  • Kurse und Seminare für Ordensleute, Priestergruppen und Diakoniegemeinschaften die sich mit den Übergängen des Lebens und mit dem Älterwerden auseinandersetzen wollen.



5. Kontakt, Zusätzliche Informationen


5.1. Kontakt

Schwester Liliane Juchli
Schwesternheim, Theodosianum
Jupiterstr. 40
CH-8032 Zürich

liliane at kloster-ingenbohl.ch



5.2. Zusätzliche Informationen

http://de.wikipedia.org/wiki/Liliane_Juchli

http://www.pflegewiki.de/wiki/Liliane_Juchli






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