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 P. Theodosius Florentini, Kapuziner, 1808 - 1865


Seine wichtigsten Lebensdaten und -stationen

Wer war P. Theodosius Florentini? Wie war er? Niemand von uns hat ihn gekannt. Wir sind also auf Darstellungen und Aussagen von Menschen angewiesen, die mit ihm gelebt haben. So schreibt seine Sekretärin, Sr. Cornelia Fürer: „ Er war deutsch in Geist, Gesittung und Gemüt, italienisch an Feuer und Lebenskraft.„Und ein Freund, Theodor Scherer-Boccard, bekennt: „P. Theodosius war ein armer Kapuziner, aber ein Mann reich an Werken: er war ein Mann des Wortes, aber auch ein Mann der Tat, und vor allem ein Mann der Zeit.„Wer einen Menschen verstehen will, muss die Fundamente in seiner Umgebung und Familie suchen.Müstair ist sein Geburtsort mit der karolingischen Klosterkirche, die ein Weltkulturgut ist. Nach einer Legende soll Karl der Grosse im Jahre 801 in einer Lawinennot den Bau dieses Klosters versprochen haben. Das schmucke Dorf liegt nahe der italienischen Grenze an der Verbindungsstrasse zum Stilfserjoch und zum Ofenpass. Es ist seit jeher an Offenheit gewohnt.Anton Crispin wurde am 23. Mai 1808 geboren, wuchs in bescheidenen Verhältnissen mit 5 Geschwistern auf, besorgt von einer tapferen Mutter (Anna Fallet), die nach dem frühen Tod des Vaters Paul (1816) die Familie zusammenhielt. Anton Crispin war äusserst lebhaft und begabt. Die Elementarschule besuchte er in Müstair bei Florin Pitsch, Deutsch lernte er in seinem 9. Lebensjahr in Taufers, Latein erhielt er beim P. Superior in Müstair und begann das Gymnasium in Bozen. Nach seiner Entlassung setzte er es in Stans, Baden und Chur fort. Nach dem frühen Tod seines ältesten Bruders, der Kapuziner gewesen war, entschloss sich auch Anton Crispin für diesen Weg.

1832 kam P. Theodosius als Novizenmeister und später als Guardian nach Baden. Nebst der Tätigkeit in seinem Kloster reiften die ersten Pläne zur Gründung einer Kongregation von Lehrschwestern, um dem katholischen Bildungswesen Auftrieb zu geben. In die politischen Wirren dieser Jahre verwickelt, musste P. Theodosius Baden verlassen (1841) und kam nach Ribeauvillé im Elsass. Im Kloster der „armen Schwestern von der Vorsehung„ fand P. Theodosius Unterkunft und viel Anregung für seine späteren Pläne der Kloster- und Schulgründungen.

An Ostern 1841 ging P. Theodosius nach Altdorf und wurde vorerst „Laufpater„. Er nahm sich der Schulen und Lehrer in Altdorf an, bildete die ersten 3 Novizinnen weiter aus, die er aus der Badenerzeit kannte und im Ausland das Lehrerinnenseminar absolvieren liess.

1844 klopfte die 19-jährige Anna Katharina Scherer, die spätere Mutter Maria Theresia, aus Meggen an seine Tür und bat um Aufnahme in die junge Gemeinschaft.

1845 legten die ersten 5 Schwestern legten in Wurmsbach Profess ab und kamen in die Schulen von Menzingen und Galgenen. Viele andere Orte bewarben sich um Lehrschwestern. In Menzingen entstand das Mutterhaus. Die erste Generaloberin war Mutter Bernarda Heimgartner.

1845 wurde P. Theodosius Dompfarrer in Chur, 1860 Generalvikar. Die Churer sahen seinem Kommen misstrauisch entgegen: „Der famöse P. Theodosius, wie sollte der eine friedliche Seelsorge entfalten?„ Durch seine Predigten, die schon damals einen ökumenischen Anstrich hatten, und durch seine soziale Tätigkeit gewann er alsbald die Bewunderung der ganzen Bevölkerung.

1850 eröffnete er im Schlösschen der Freiherren von Plantär ein kleines Spital. Zwei Jahre später bat er Mutter Bernarda um Schwester M. Theresia Scherer. Am 1. März kam es zum berühmten und folgenschweren Handschlag von Chur; zur Schule kommt offiziell die Caritas.

"Die barmherzigen Schwestern für die Armen und Kranken" wurden der 2. Zweig der theodosianischen Gründung mit Sitz in Chur. Die Lehrschwestern und die barmherzigen Schwestern gehörten vorläufig zusammen.

Die barmherzigen Schwestern waren überall gefragt: in Armen- und Waisenhäusern, in Spitälern und Lazaretten, in Gefängnissen und Fabrikheimen. Viele junge Frauen schlossen sich in kürzester Zeit dieser Gründung an.

Die Inschrift an der Planaterra in Chur erinnert an die erste Wirksamkeit, an das erste paritätische Spital; denn der kranke Mensch stand im Vordergrund, nicht die Konfession.P. Theodosius Florentini 1808 - 1865Kapuziner aus Müstair,Apostel der christlichen Schule und Caritas,gründete hier 1850 ein Krankenhaus,aus dem das heutige Kreuzspital hervorging.

Am 23. April 1853 war das 1. Kreuzspital bezugsbereit. Selbst Papst Pius IX. gehörte zu den Spendern, denn überall mussten Geldmittel flüssig gemacht werden, um die Schulden zu bezahlen. Weil einige Schwestern bis Österreich und Ungarn betteln gingen, wurden die Barmherzigen Schwestern bekannt. Auf diese Weise entstanden die ersten Grün-dungen im Ausland, aus denen sich später Provinzen entwickelten.

Aus der anfänglichen Gründung mit zwei Zweigen, Schule und Caritas, entstanden 1856 zwei selbständige Ordensgemeinschaften. Die Lehrschwestern bauten ihr Mutterhaus in Menzingen weiter aus. Für die Barmherzigen Schwestern musste ein Standort für ein Mutterhaus gesucht werden, da die Stadt Chur kein Kloster wollte.

Mit fünf Franken in der Tasche, aber mit unbegrenztem Gottvertrauen kaufte P. Theodosius 1855 den Niggschen Hof in Ingenbohl, der das Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern wurde. Er wurde in zwei grossen Bauetappen erweitert: 1858-60 / 1878-80

1857 übernahm P. Theodosius die Camenzind’sche Fabrik im Paradies in Ingenbohl und richtete eine Baumwollweberei, später eine Buchdruckerei und -binderei ein. Die Waisenkinder wurden halbtags unterrichtet, halbtags konnten sie arbeiten und etwas verdienen.

P. Theodosius war ein Freund der industriellen Entwicklung, allem Neuen gegenüber offen. Aber er wollte es mit christlichem Geist beseelen. Vor allem sollten gerechte, menschenwürdige Verhältnisse entstehen. Seine Sozialreform scheiterte leider im In- wie im Ausland, obwohl er sich grenzenlos einsetzte. Gründe waren z.B. Geldmittelknappheit, überforderte Betriebsleitungen, zu wagemutige Unternehmen.

Der im Kapuzinermuseum Sursee aufbewahrte Pass von P. Theodosius symbolisiert ihn als einen „Grenzgänger„ im doppelten Sinn: Er überschritt oft geografische Grenzen, aber auch mit seinen Ideen ging er weiter als alle andern seiner Zeit. Seine Devise war: Das Bedürfnis der Zeit ist Gottes Wille.

P. Theodosius war im In- und Ausland ein bekannter und beliebter Prediger, Festredner und Volksmissionar. Mit seiner Begeisterung und seiner anschaulichen Sprache fesselte er alle Zuhörer.

Um die Bildung und den Glauben zu fördern, setzte er gute Bücher in Umlauf, übersetzte und schrieb selber solche. Mit den Einnahmen finanzierte er seine sozialen Werke.Im Paradies in Ingenbohl richtete er eine eigene Druckerei ein, die bis heute besteht.

Als müder, von schweren Geldsorgen Geplagter stieg er am 13. Februar 1865 im „Schweizerhof in Heiden ab, weil er im Appenzellischen ebenfalls eine Fabrik einrichten wollte, wo die Belegschaft als Unternehmer mitbestimmen sollte. Der Männerchor erfreute ihn abends mit einem Ständchen, worauf er dem Dirigenten folgenden Albumspruch widmete:

„Im Notwendigen Einheit, im Zweifel Freiheit, in allem die Liebe.„ Obwohl die Worte von Augustinus stammen, umschreiben sie treffend, was P. Theodosius suchte und wünschte. Es sollten seine letzten geschriebenen Worte werden.

Nachdem am 14. Februar ein Hirnschlag ihn gelähmt hatte, starb Pater Theodosius am Nachmittag des 15. Februar 1865.

Eine Gedenktafel am „Schweizerhof„ in Heiden erinnert an sein Leben und Wirken, an seinen Tod:P. THEODOSIUS FLORENTINI KAPUZINER +GEBOREN 23. MAI 1808 IN MUESTAIR GR +FOERDERER DER SCHULE + FREUND DER ARBEITER +HELFER DER KRANKEN + VATER DER ARMEN +GRUENDER DER LEHRSCHWESTERN VON MENZINGEN 1844UND DER BARMHERZIGEN SCHWESTERN VON INGENBOHL 1856 +DESSEN LEBEN IN DIESEM HAUSEAM 15. FEBRUAR 1865 SEINE VOLLENDUNG FAND.

Am 18. Februar wurde er in Chur vor der Hofkirche beigesetzt. Dort blieb seine Ruhestätte bis 1906. Die Grabinschrift ist „dem edlen Priester, dem Erzieher der Jugend, dem Freund der Kranken, dem Vater der Armen„ gewidmet.

Mutter M. Theresia Scherer übernahm die vielen Schulden, führte die Schwesterngemeinschaft zur weiteren Entfaltung im In- und Ausland. Sie selber starb hochverehrt vom Volk und ihren Schwestern am 16. Juni 1888.

Am 15. Februar 1906 wurden die Gebeine von P. Theodosius nach Ingenbohl übertragen. Hier blieb seine Grabstätte bis zum Abbruch der Kirche 1969. P. Theodosius hat seine endgültige Grabstätte in der Vorhalle der neuen Klosterkirche gefunden.


Text: Schwester Christiane Jungo, 1998


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